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Italienische Polizeifilm

Neo-Realismus der 50er Jahre

Metropolen ohne Gesetz

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Angefangen schon in den 50ern mit den berüchtigten Verfilmungen antiker Heldengestalten, zeigten die Italiener mit dem Western, daß man kein Amerikaner sein muß, um amerikanisches Terrain neu zu bestimmen. So fiel der übergang leicht, sich einer Sache anzunehmen, deren Ursprung auch nicht im Mediterranen beheimatet war. Natürlich ist das organisierte Verbrechen eine Erfindung der Sizilianer, zu zweifelhaftem Ruhm brachten es jedoch erst die Kinder Eingewanderter in die neue Welt. So zeigten die filmischen Auseinandersetzungen meist auch ein Bild von entwurzelten und zwischen den Welten hin- und hergerissenen Menschen, und ihren Versuch durch die organisierte Kriminalität an so etwas wie Tradition und Lebensart festzuhalten, denn nie beschränkte die Mafia ihre Aktivitäten allein auf Italien. Bei den Polizei- und Gangsterepen hatte man zudem den Vorteil, ein Genre zu erstellen, welches in der Gegenwart sein Zuhause fand, somit konnte man nun auch eigene gesellschaftliche wie politische Befindlichkeiten auf die ursprüngliche unterhaltsame und lockere Art bearbeiten. Das ist auch der Grund, weshalb jetzt in der Hauptsache Italiener in den führenden Rollen zu sehen waren, und nicht - wie noch im Western üblich - meist amerikanische TV-Darsteller der zweiten Garde. Symptomatisch für diesen neuen Abenteuerspielplatz der Regisseure waren die von Maurizio Merli gezeigten Figuren. Obwohl auch er in dem Spaghetti-Western MANNAJA brillierte, setzte Merli allein durch die Verkörperung des rauhbeinigen, einzelgängerischen Bullen Maßstäbe. Der aus heutiger Sicht politisch unkorrekte Stil, seine übertriebenen, schon comicartigen Charaktere, sowie der rohe und feiste Ton, faszinieren gerade heute ein Publikum, welches sich schon immer gern abseits gängiger Marktmechanismen wohl fühlte. Wenn wir auch in diesem Werk viele Beispiele von Regisseuren wie Damiani oder Vancini aufzeigen, die das Genre-Kino doch eher für ihre kritischen Inszenierungen benutzten, so sind es doch vor allem die 'kleineren' und 'billigeren' Filme, die hier Gehör finden sollen und die durch ihre Unfähigkeit sich in der modernen Gegenwartskultur zu etablieren dafür gesorgt haben, interessant zu bleiben.

Wie bereits erwähnt ging es in jener Ära nicht um Aussagen (wie Kritiker krampfhaft hineinzuinterpretieren suchten) sondern um Aussehen, nicht um Zusammenhänge sondern Stil, nicht um Psychologie sondern Choreographie. Ihren Platz fanden die simplen Erzählstrukturen in einer Welt, in der man deutlich das Gute vom Bösen unterscheiden konnte. Entscheidend war das Sichtbarmachen von Männerphantasien und der Versuch, die Negativcharaktere möglichst lässig und spektakulär zu dominieren. Die Realität wurde kraß überzeichnet und karikiert, bis kurz vor der Parodie. Aber nicht nur wegen überholter Weltanschauungen oder Berufsphilosophien ist ein Rückblick heute so amüsant, denn das gegenwärtige Allgemeinbefinden des europäischen Kinos ist bei allem Respekt dort, wohin man nicht gerne die Nase steckt. Deutsche Filmemacher beschäftigen sich lieber mit scheinbaren Yuppie-Befindlichkeiten, und auch bei unseren filmenden Nachbarn scheint kein wirkliches Interesse mehr am Genre zu bestehen. Deshalb wirken die emotional überschwenglich inszenierten Preisverleihungen des deutschen Films wie die Schickeria-Parties affektierter Snobs. Die Entamerikanisierung und Suche nach eigenen Identitäten habe ich mir jedenfalls anders vorgestellt. Zwar produziert man keine besseren Filme, hat aber vom großen Vorbild die Fähigkeit übernommen, sich selbst zu feiern. Auch deshalb haben wir für alle, denen beim Anblick neuen teutonischen Kinogutes (= Komödien) eher nach dem Gegenteil zumute ist, dieses Buch/Lexikon angefertigt. Für alle, die 'Spielfilm' mit 'Spielen' assoziieren, und denen es nicht auf das 'Was' sondern auf das 'Wie' ankommt, steht hier eine bisher einzigartige Sammlung lieblichster Vergehen gegen den guten Geschmack zur Auswahl, dessen Ziel es ist und immer war zu unterhalten.

Neben all den wohlklingenden Namen wie Kinski, Adorf, Silva, Harrison, Nero, Mitchell, Saxon, Milian, etc. sollen aber auch die Gesichter der zweiten und dritten Reihe ihren Platz in diesem Dokument finden. Wie Luciano Rossi, Nello (Giovanni) Pazzafini, Lino (Calogero) Caruana, Franco Garofalo, Franco Citti, Bruno Di Luia, usw. Skurril, obskur, unkonventionell scheinen nicht nur die Motive der Protagonisten dieser Lektüre gewesen zu sein, sondern beflügelten auch unseren Eifer bei der Erstellung dieser Schrift. Und da das italienische Kommerzkino in diesem Hinblick einem Dorado gleicht, von dem man kaum Ebenbilder finden wird, sind wir uns sicher die Menschen mit diesem Werk nicht nur zu informieren sondern auch gut zu unterhalten.

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